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Ratgeber / Kosten

Neubau oder Bestand sanieren – was rechnet sich wann?

Die Frage entscheidet sich nicht am Quadratmeterpreis, sondern an vier Bauteilen. Wer die kennt, kann vor Ort abschätzen, welcher Weg der günstigere ist.

/7 Min/Nicolaj Maranke

KOSTENKENNWERTEBKI / INDEXIERT
Neubau
3.640 €/m²
Modernisierung
1.890 €/m²
Verhältnis
52 %
Bezug
Wohnfläche
Kostenstand
August 2026
01 / Der Denkfehler

Der Quadratmeterpreis ist die falsche Zahl.

Beim Neubau ist der Wert eine Summe aus lauter bekannten Posten. Beim Bestand ist er ein Mittelwert über Gebäude, die miteinander nichts zu tun haben. Ein Haus von 1995 mit dichtem Dach und ein Haus von 1962 mit Kohlekeller landen in derselben Statistik.

Der Vergleich wird erst brauchbar, wenn man ihn andersherum aufzieht: nicht „was kostet Sanieren", sondern „was ist an diesem Haus noch brauchbar". Alles, was brauchbar ist, ist Geld, das Sie beim Neubau ausgeben müssten und hier nicht.

Ein Bestandsgebäude ist nicht billiger, weil es steht, sondern weil Keller, Rohbau und Erschließung schon bezahlt sind.

02 / Die Zahlen

Eine Modernisierung kostet die Hälfte.

Rund 1.750 € Unterschied je Quadratmeter Wohnfläche. Auf ein Haus mit 140 m² gerechnet sind das etwa 510.000 € gegenüber 265.000 € — ein Unterschied von rund 245.000 €.

Meine Kennwerte stammen aus dem ersten Quartal 2024 und sind auf den heutigen Baupreisindex hochgerechnet. Wer das nicht tut, liegt beim Neubau um gut 300 € je Quadratmeter zu niedrig. Für ein konkretes Vorhaben ersetzt der Kennwert keine Baukostenermittlung am Objekt.

Bruttowerte, Bauwerkskosten ohne Grundstück und Baunebenkosten, mittlerer Ausstattungsstandard. Bundesweite Kennwerte. Nächste Prüfung 02/2027.

Abb. 1 — Kennwerte je m² Wohnfläche 1.750 € NEUBAU 3.640 MODERNISIERUNG 1.890 01.000 2.0003.000 4.000
03 / Der Kern

Vier Bauteile entscheiden alles.

Wenn ich ein Bestandsgebäude für einen Kaufinteressenten anschaue, gehe ich genau diese vier Punkte durch. Sie machen den Löwenanteil der Sanierungskosten aus, und sie hängen voneinander ab.

Sind drei davon fällig, nähert sich die Sanierung dem Neubau an. Sind alle vier fällig, brauchen Sie sehr gute andere Gründe.

  1. 01
    Dach

    Ein Dach, das ohnehin neu muss, ist die günstigste Gelegenheit für die Dämmung — die Gerüstkosten fallen nur einmal an.

  2. 02
    Fenster und Außenwand

    Dichte Fenster in ungedämmter Wand verschieben den Taupunkt. Wer die Fenster tauscht, muss die Wand mitdenken.

  3. 03
    Haustechnik

    Vor 1980 ist die Elektrik praktisch immer fällig: Schlitze in allen Wänden, also neue Oberflächen im ganzen Haus.

  4. 04
    Grundriss

    Tragende Wand heißt Unterzug, statischer Nachweis, oft Genehmigung — und Eingriffe in Decke, Estrich und Fußboden.

04 / Zum Mitnehmen

Acht Fragen für den Besichtigungstermin.

Nehmen Sie diese Punkte mit, wenn Sie ein Objekt zum zweiten Mal ansehen. Sie brauchen keine Fachkenntnis, nur ein Handy für Fotos und eine halbe Stunde. Fehlen die Unterlagen, steht vor jeder Kalkulation ein Aufmaß mit Bestandsplänen.

Asbest wurde erst 1993 verboten. Alles davor ist verdächtig — und gehört vor den Kaufvertrag, nicht danach.

Soll ich das für Sie prüfen?
  • Wie alt ist die Dacheindeckung, gibt es eine Unterspannbahn?
  • Zweifach oder dreifach verglast? Baujahr im Abstandhalter?
  • Wie alt ist der Heizkessel? Typenschild fotografieren.
  • Stoffleitungen oder Schraubsicherungen im Zählerkasten?
  • Riecht der Keller muffig? Salzausblühungen am Sockel?
  • Welche Wände sollen weg — stehen sie in beiden Geschossen übereinander?
  • Existieren Bestandspläne, Baugenehmigung und Statik?
  • Dachplatten, Bodenbeläge oder Fliesenkleber von vor 1993?
05 / Die Methode

Beide Seiten mit denselben Annahmen rechnen.

Beim Neubau wissen Sie vorher, was Sie bauen. Beim Bestand wissen Sie es erst, wenn der Putz herunter ist. Ein Risikozuschlag ist keine Unsicherheit des Planers, sondern die ehrliche Abbildung dessen, was hinter der Wand sein könnte.

POSITIONENNEUBAU / SANIERUNG
Grundstück
Kaufpreis + Erschließung / enthalten
Rohbau
vollständig / vorhanden
Abbruch
entfällt / vollständig ansetzen
Baunebenkosten
15–20 % / eher höher
Ausweichwohnung
entfällt / mehrere Monate
Risikozuschlag
gering / unverzichtbar
06 / Fazit

Wann sich was rechnet.

Sanieren lohnt sich, wenn Rohbau und Dach in Ordnung sind und der Grundriss im Wesentlichen passt. Es lohnt sich nicht, wenn drei oder vier Bauteile gleichzeitig fällig sind und Sie zusätzlich tragende Wände versetzen wollen.

Lassen Sie die vier Bauteile anschauen, bevor Sie einen Kaufvertrag unterschreiben. Ein Ortstermin kostet einen Bruchteil dessen, was eine Fehleinschätzung beim Dach kostet. Steht die Entscheidung, wird daraus ein Plan, nach dem gebaut werden kann.

Nicolaj Maranke Verfasser Nicolaj Maranke

Wirtschaftsingenieur Bauingenieurwesen (RWTH), Master Bautenschutz. Seit 2019 auf Baustellen, seit 2022 selbstständig im Kreis Heinsberg.

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