Was ein Haus wirklich kostet
„Schlüsselfertig" heißt nicht „fertig". Die Posten, die im Angebot des Bauunternehmens fehlen, sind selten klein — allein die Baunebenkosten liegen bei 15 bis 20 Prozent der Bausumme.
/6 Min/Nicolaj Maranke
- Bauwerkskosten
- 509.600 €
- Baunebenkosten 15 %
- 76.440 €
- Baunebenkosten 20 %
- 101.920 €
- Summe
- 586.000 – 612.000 €
- Ohne
- Grundstück, Erschließung, Außenanlagen
„Schlüsselfertig" ist kein geschützter Begriff.
Es gibt keine Norm, die festlegt, was darin enthalten sein muss. Jedes Unternehmen definiert den Umfang selbst — und definiert dabei genau die Posten heraus, die sich schlecht kalkulieren lassen.
Das ist nicht unseriös, sondern betriebswirtschaftlich vernünftig. Wer nicht weiß, was der Baugrund hergibt, kann die Erdarbeiten nicht seriös anbieten. Nur bleibt das Risiko dann bei Ihnen, und zwar unausgesprochen.
Was im Angebot fehlt, verschwindet nicht. Es taucht später auf Ihrer Rechnung wieder auf.
Baunebenkosten: 15 bis 20 Prozent.
Das ist der Block, der am häufigsten unterschätzt wird, weil er aus vielen kleinen Positionen besteht und keine davon nach viel Geld aussieht. In der Summe sind es bei einem Einfamilienhaus schnell 80.000 bis 100.000 Euro.
Dazu gehören Planung, Genehmigungsgebühren, Vermessung, Bodengutachten, Statik, Prüfstatik, Bauleitung, Versicherungen, Baustrom und Bauwasser, Energieausweis und Nachweise.
Rechenbeispiel auf Grundlage der Kennwerte aus dem ersten Ratgeberbeitrag: 140 m² Wohnfläche, Kostenstand August 2026, brutto, ohne Grundstück und Außenanlagen.
Was fast nie im Angebot steht.
Diese vier Blöcke fehlen am häufigsten. Sie haben eines gemeinsam: Ohne Untersuchung des Grundstücks lassen sie sich nicht seriös beziffern — und deshalb werden sie weggelassen statt geschätzt.
Für ein konkretes Vorhaben lässt sich das auflösen. Genau dafür steht am Anfang eine Kostenermittlung nach BKI-Kennwerten, bevor der erste Vertrag unterschrieben wird.
- 01Erdarbeiten
Aushub, Abfuhr, Bodenaustausch. Was der Baugrund hergibt, weiß niemand, bevor ein Bodengutachten vorliegt — und genau deshalb steht es nicht im Angebot.
- 02Erschließung
Straße, Kanal, Anschlussbeiträge der Gemeinde. Je nach Lage ein vier- bis fünfstelliger Betrag, der mit dem Gebäude nichts zu tun hat.
- 03Hausanschlüsse
Wasser, Abwasser, Strom, Telekommunikation, gegebenenfalls Gas. Jeder Versorger rechnet einzeln ab, und die Grabenarbeiten auf dem Grundstück kommen dazu.
- 04Außenanlagen
Zufahrt, Stellplatz, Terrasse, Zaun, Garten. Nach dem Einzug steht sonst Lehmboden vor der Tür — und das Geld ist zu diesem Zeitpunkt meist alle.
Acht Fragen, bevor Sie unterschreiben.
Stellen Sie diese Fragen schriftlich und lassen Sie sich die Antworten ebenso schriftlich geben. Ein seriöser Anbieter hat damit kein Problem.
Wer auf die Frage „was ist nicht enthalten" ausweicht, hat die Antwort schon gegeben.
Angebot prüfen lassen- Welche Kostengruppen nach DIN 276 sind im Preis enthalten?
- Sind Erdarbeiten und Bodenaustausch enthalten — und auf welcher Grundlage?
- Liegt ein Bodengutachten vor? Wer bezahlt es?
- Sind Hausanschlüsse und Erschließungsbeiträge enthalten?
- Wer trägt Vermessung, Statik und Prüfstatik?
- Sind Baustrom, Bauwasser und Bauversicherung eingerechnet?
- Was ist beim Innenausbau enthalten — Bodenbeläge, Sanitärobjekte, Malerarbeiten?
- Welche Positionen sind Bedarfspositionen oder unter Vorbehalt kalkuliert?
Warum die höhere Schätzung oft die ehrlichere ist.
Wenn zwei Kostenschätzungen weit auseinanderliegen, ist die niedrigere selten die günstigere. Meist ist sie die unvollständigere. Am Ende zahlen Sie in beiden Fällen dasselbe — nur wissen Sie es im einen Fall vorher und im anderen nicht.
Ich kalkuliere bewusst mit allem und liege damit häufiger über anderen Angeboten. Das ist kein Nachteil, sondern der Punkt: Eine Schätzung ist nur dann etwas wert, wenn sie am Ende noch stimmt. Wer während der Bauzeit dreimal nachfinanzieren muss, hat nichts gespart.
Ich verschweige keine Posten. Eine Schätzung soll am Ende halten, nicht am Anfang gefallen.
Rechnen Sie mit dem Ganzen.
Nehmen Sie die Bausumme aus dem Angebot, addieren Sie 15 bis 20 Prozent Baunebenkosten und legen Sie Erdarbeiten, Erschließung, Hausanschlüsse und Außenanlagen daneben. Erst diese Summe ist Ihr Budget.
Wenn Sie das vor der Unterschrift durchgerechnet haben, können Sie Angebote überhaupt erst vergleichen — und wissen, welche Reserve Sie brauchen. Steht das Budget, wird daraus ein Plan, nach dem gebaut werden kann.
Verfasser
Nicolaj Maranke
Wirtschaftsingenieur Bauingenieurwesen (RWTH), Master Bautenschutz. Seit 2019 auf Baustellen, seit 2022 selbstständig im Kreis Heinsberg.
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